Trailrunning auf der Via Alpina – Sa. 7. – Mo. 9. August 2010

7. August 2010bis9. August 2010
Via Alpina 2010

Via Alpina 2010

Samstag früh 3 Uhr klingelte nach 3 Stunden Schlaf der Wecker … Schnell nach Sargans gedüst, wo ich mir als Highlight meiner UTMB-Vorbereitung 3 Tage lang den grünen Weg der Via Alpina ausgesucht hatte.

Von Mels führte der Weg durchs Weisstannental über Vermol hoch nach Weisstannen. Mein schlaues Buch gab als Wanderzeit 4h:50 an. Teilweise ging es schon recht steil bergauf, grosse Teile der Strecke konnte ich aber auch joggen …

Frühstück in Weisstannen

Frühstück in Weisstannen

So war ich nach gut 2 Stunden in Weisstannen und gönnte mir ein zweites Frühstück, nachdem ich auf der Fahrt im Auto ein paar Croissants und Kaffee reingepfiffen hatte.

Erste Blicke auf schneebedeckte Berge und Wasserfälle ohne Ende gab es zu bewundern. Es war schön, mal wieder in der Schweiz zu sein.

Der nächste Abschnitt sollte über den Foopass nach Elm gehen (Wanderzeit laut Buch 8h:55). Auf dem Weg zum Foopass passierte mir der erste fauxpas … ich nahm irgendwo einen falschen Weg und wunderte mich etwas, dass der Pfad immer schlechter wurde. Es ging unglaublich steil bergauf, so konnte ich mal die Stöcke ausprobieren. Keine Ahnung ob es 3 Wochen vor dem UTMB noch Sinn macht, sich an Stöcke gewöhnen zu wollen, später hab ich dann festgestellt, dass sie mich ausbremsen, kann aber gut sein, dass die Beine entlastet werden. Ich werde sie wohl auch beim UTMB mitnehmen, wer weiss, wahrscheinlich streiken dort irgendwann die Beine komplett und ich werde froh sein, ein wenig mit den Armen nachhelfen zu können.

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Jedenfalls kam mir der Weg trotz gelber Markierung doch sehr komisch vor, als es durch Felsen weiter bergauf ging und ich die Schneegrenze erreicht hatte. Ein Blick aufs GPS …

Ohjeh, das hätte ich auch früher mal machen können. Es half nichts, auf den Berg hoch und über den Grat zum Foopass war aufgrund des Schnees unmöglich, also die 700 Höhenmeter auf fast dem selben Weg wieder runter.

ein Esel kommt selten allein

ein Esel kommt selten allein

Nun ging es wieder auf der Via Alpina weiter, über matschige Wiesen und Weiden, durch Schluchten und Bäche hoch zur Alp Foo. Dort begann der steile Schlussanstieg zum Foopass auf 2223 Meter Höhe. Auch hier lagen noch Schneereste, die Tage vorher hatte es bis auf ca. 1800 Meter Höhe runtergeschneit, dementsprechend matschig war hier oben alles. Die Schuhe, Socken und Füsse waren schon längst durchgeweicht.

Foopass

Foopass

Hier oben gab es geniale Ausblicke auf neue Bergmassive und Täler.

Nun begann der lange Abstieg nach Elm. Ich liess es ohne Rücksicht auf Verluste krachen, erst ging es steil bergab, später liess es sich auf breiteren Wegen angenehm joggen.

Gegen Ende brannten dann aber doch die Oberschenkel ein wenig und die Füsse schrien nach Pause. Der trocknende Schlamm in den Schuhen sorgte für die eine oder andere Druckstelle.

Gegen 18 Uhr erreichte ich Elm. Ursprünglich wollte ich noch die nächste Etappe in Angriff nehmen, allerdings wäre die nächste Übernachtungsmöglichkeit laut Buch nach 4h:05 die Skihütte Erbs gewesen. Ich war mir nicht sicher, ob ich problemlos vor Einbruch der Dunkelheit dort ankomme, so suchte ich mir eine Unterkunft in Elm, wo es dann nach einer heissen Dusche ein superleckeres Abendessen gab. Schnell noch die Klamotten durchgewaschen und ab ins Bett

Sonntag sass ich um 7 Uhr beim etwas mageren Frühstück. Vielleicht ist das offizielle Frühstück ab 8 Uhr ja reichhaltiger. Was solls, ich wollte heute nicht zu spät los und es mir mal so richtig geben.

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Von Elm aus geht es sofort steil hinauf zur Bergstation einer Gondelbahn. Schnell war ich oben und der Weg schlängelte sich bergauf, bergab am Hang entlang. Vorbei am Hängstboden, wo viele Holzhütten zum Heutrocknen stehen ging es weiter auf einem wunderschönen Panoramatrail zur Skihütte Erbs.

Nun tat es mir etwas leid, dass ich nicht gestern noch hier hochgelaufen bin, heute war ich mit frischen Beinen nicht mal 2 Stunden bis hierher unterwegs.

Skihütte Erbs

Skihütte Erbs

Die Hütte sah mal richtig schnuckelig aus, da hätte ich gern übernachtet. Zum Übernachten war es jetzt aber noch viel zu früh.

Hier begann der immer steiler werdende Weg zum Richetlipass. Es fing erstmals an zu regnen, innerhalb weniger Minuten hing alles komplett in Wolken. Zwischendurch ging es nochmal ein Stück bergab zu einer Hochebene, um dann mal wieder irre steil die letzten paar hundert Höhenmeter hoch zum pass zu gehen.

Via Alpina 2010

Richetlipass

Oben hielt ich mich nur kurz auf, es war unangenehm windig und es regnete ein wenig, es waren aber schon wieder blaue Flecken am Himmel zu sehen.

Den Abstieg nahm ich wieder säbelzahntigertechnisch in Angriff, schmerzende Oberschenkel hin oder her, schliesslich wollen die Muskeln ja noch ein paar Impulse bekommen.

Irgendwann zog sich der Weg flach Richtung Linthal, die Sonne schien wieder und ich kam gut voran. Die letzte halbe Stunde wurde es nochmal steil und wieder zogen Wolken auf und es schüttete. In Linthal hatte ich meinen ersten Abschnitt (10h:20 laut Buch) hinter mir, die Beine waren schon recht müde und ich machte erst mal verspätete Mittagspause. Hier kam ich mit einem Radfahrer ins Gespräch, der gerade mit dem Zug angekommen war und hier eine 2-wöchige Alpenpässe-Tour starten wollte. Er zögerte wegen des Regens seinen Start heraus, buchte aber telefonisch ein Zimmer oben am Klausenpass. Er erzählte mir, dass man dort in einem ehemaligen Hospiz klasse übernachten kann und fragte, wo ich noch hinlaufe.

unterhalb von Braunwald

unterhalb von Braunwald

Mein schlaues Buch meinte, bis Urnerboden seien es 5h:50, das sollte doch zu schaffen sein. Der Radfahrer fuhr los, ich trank noch einen Kaffee und schon kam die Sonne wieder raus. Gegen 16 Uhr machte ich mich auf den Weg nach Braunwald. Der Weg ging steil entlang der Trasse einer Standseilbahn hoch. Da könnte man auch mal einen tollen Stäffeleslauf machen. Die 700 Höhenmeter hatte ich nach einer knappen Stunde im Sack.

Blick auf Urnerboden

Blick auf Urnerboden

Weiter ging es wellig Richtung Urnerboden, einer riesengrosse Almhochfläche an der Klausenpassstrasse. Ich kam joggend gut voran und Urnerboden war dann auch recht bald zu sehen.

Der Weg zog sich nun aber schier endlos hin, ich fühlte mich noch gut und hatte die Idee, doch noch hoch zum Klausenpass zu laufen. 19:30 Uhr erreichte ich Urnerboden, laut Buch noch 2h:25 bis zum Klausenpass. Das sollte also gehen, ich sah den Weg, der die vielen Serpentinen der Passstrasse sehr steil abkürzte.

unterhalb des Klausenpasses

unterhalb des Klausenpasses

Dummerweise wurde die Wegführung wohl geändert. Entlang nagelneuer Markierungen ging es nun meist in der Nähe der Passstrasse nicht besonders steil bergauf. Es kamen aber mehr Kilometer dabei zusammen als mir lieb waren. Zusätzlich zogen nun auch wieder Wolken rein und es wurde neblig.

Es wurde langsam dunkel, ich hatte Probleme, den Weg zu sehen, so lief ich auf der Passstrasse weiter. Die letzte Viertelstunde war es dann stockdunkel und ich sah wegen des Nebels das alte Hospiz erst als ich unmittelbar davorstand. Dort gab es wieder leckeres Essen und ein Zimmer für mich. Beim Abendessen leistete mir der Radfahrer Gesellschaft, den ich in Linthal getroffen hatte. Ihm kam es nicht so ganz geheuer vor, dass ich noch bis zum Klausenpass hochgelaufen war. Ich erzählte ihm die Geschichte vom UTMB und dass ich schliesslich nicht (nur) zum Spass hier sei … Klein ist die Welt, es stellte sich heraus dass er in München lebt und in Leonberg bei einem Orthopäden in Behandlung ist … Nach einer kalten Dusche (bibber) gings ins Bett.

Montag hab ich erst um 7:30 Uhr gefrühstückt und mich dann auch noch eine ganze Weile mit dem Radfahrer verquatscht. Spät gings auf den Weg nach Altdorf. Ewig lang blieb ich auf einem Panoramaweg auf der Höhe, wo es sich die meiste Zeit sehr gut joggen liess.

Ich war etwas unentschlossen, ob ich noch die Etappe von Altdorf nach Engelberg dranhängen soll, laut Buch 11h:30, da könnte ich erst spät per Bus und Bahn zurück nach Sargans fahren. Ich beschloss, die Tour eher gemütlich ausklingen zu lassen und noch ein paar Umwege bis Altdorf einzubauen.

So verliess ich die Via Alpina und stieg noch zum Ruosalper Chulm (2218 Meter Höhe) auf.

Es folgte ein langer Abstieg über Spiringen, wo ich wieder auf die Via Alpina traf, runter nach Altdorf. Inzwischen hatte ich auch Ansätze von Blasen, vor allem links vorne unter dem Ballen. Schade, nun bleibt die Schuhfrage für den UTMB offen. Naja, ich schiebs mal auf die ständig nassen und verschlammten Strümpfe, grossartig experimentieren werde ich nun wohl nimmer.

Kurz nach 15 Uhr stieg ich in Altdorf in den Zug und war gegen 17:30 Uhr zurück in Sargans. Bei der gemütlichen Heimfahrt hatte ich viele tolle Bilder vor Augen. Die Strecke schreit nach einer Fortsetzung, schade, dass ich nur 3 Tage Zeit hatte.

Alles in allem hatte die Tour knappe 140 km und knappe 8000 Höhenmeter, dennoch kann ich mir natürlich nullkommanull vorstellen, 166 km mit 9600 Höhenmetern am Stück hinter mich zu bringen.

Die Tour war phantastisch und ich freu mich jetzt erst mal auf Chamonix! Ich bin dankbar, dass ich seit April wieder laufen kann und das Knie inzwischen ohne die geringsten Zicken selbst solche Touren mitmacht.

Habe fertig.

Holle

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11 Antworten auf Trailrunning auf der Via Alpina – Sa. 7. – Mo. 9. August 2010

  1. Volker sagt:

    Hi Holle!

    Ich kann mich noch daran erinnern, als wir uns das erste Mal in Leonberg getroffen haben, da kamst du vom Orthopäden und warst nicht gerade zuversichtlich….
    und jetzt… immer wieder zu neuen Schandtaten bereit, Spitze!

    Gruß Volker

    • Holle sagt:

      Ohja, “damals” war keine Besserung in Sicht und die Zeit lief mir schon längst davon. Du warst gerade am joggen und ich bin heimgehumpelt, das war frustrierend. Etliche Wochen später beim Ditzinger Lebenslauf gabs die ersten läuferischen Lebenszeichen, danach ging es kontinuierlich bergauf :)

      Heute bin ich nahezu mühelos 41 km gejoggt, einfach faszinierend!

  2. Philipp sagt:

    Klasse Bericht/tolle Bilder/beeinduckender Lauf – der UMTB kann für Dich kommen!

  3. Hase sagt:

    “Auf dem Weg zum Foopass passierte mir der erste fauxpas”

    Hihi – klasse ;)

    Super Tour, Holle. Wunderschöne Fotos!
    Du bist schon ein Tier, das weisste, gell? ;)

  4. Gripmaster sagt:

    Starke Runde, vor allem der 4-füssige Trailrunner mit dem Exo-Fell ist sehr beeindruckend!

  5. Olli sagt:

    Grüetzi Holle,
    hört sich ja nach ner wunderschönen Tour an – bis auf ein paar Kleinigkeiten.
    Hast in Elm das Martinsloch gesehen? Ein grösseres Loch im Felsen – kann man vom Dorf aus sehen bzw. noch viel besser von der Seite auf die du hoch liefst. Ich mach keine Witze: http://de.wikipedia.org/wiki/Martinsloch

    Vorallendingen hört es sich an als ob du FIT bist für den UTMB!
    Vorm K78 bist sicherlich im Training auch nie annähernd solange bzw. soweit gelaufen – stimmts oder habe ich Recht?
    Und es ging doch und kurz drauf noch den Allgäu Panorama Ultra Trail …
    Man denkt solange, dass schafft man nicht – bis man es geschafft hat ;)

    Zeit zu tapern?!?!

    Grüsse vom Bodensee
    Olli

    • Holle sagt:

      Hi Olli,

      vom Martinsloch hatte ich gelesen und ich hab es auch gesehen, leider schien die Sonne nicht durch. muss ein tolles Spektakel sein.

      Nunja, vor dem K78 bin ich schon mal annähernd so weit gelaufen, ich glaube, 55 km, da fehlt ja dann nimmer so viel. Aber Du hast schon Recht, manches ist vorher unvorstellbar und wenn man dann dabei ist gehts halt. Vor dem 24-Stunden-Treppenultra bin ich grad mal 3 Stunden Treppe am Stück gelaufen, wenns überhaupt 3 Stunden waren … und am Tag X gings dann halt unvorstellbare 24 Stunden lang.

      Tapern … hmmmm … ich bin nicht gerade der Taperer. Ich schon mich normalerweise bis 4 Wochen vor einem Wettkampf und fang dann an, alles verpasste nachzuholen ;) Werde jetzt aber keine grossen Sachen mehr machen. Wobei mir die geplante Über-Nacht-Tour über ca. 115 km von Ulm nach Hause noch im Kopf rumschwirrt. Das muss aber dann diese Woche noch über die Bühne gehen sonst könnte es nach hinten los gehen.

      Gruss Holle

  6. Horst sagt:

    Mensch Holle du machst Sachen da packst du den UMTB ohne Probleme.
    Du weist ja selbst ein Trainingslauf ist was ganz anderes als bei einem Wettkampf. Obwohl man den UMTB nicht als normaler Wettkampf bezeichnen kann sondern das ist ein Kampf gegen sich selbst.
    Das du das schaffst das wissen wir.

    Gruß Horst

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