Allgäu Panorama Marathon – So. 23. August 2009

herrlich!

herrlich!

In Sonthofen gabs erstmals den Allgäu Panorama Ultra Trail sowie einen Halbmarathon und Marathon.

http://www.allgaeu-panorama-marathon.de

Da waren wir natürlich dabei und haben viele Fotos, ein Filmchen und tolle Eindrücke mitgebracht …


Ich muss mal wieder kurz von einem megaultrasupergenialen Event berichten…

Sonntag fand erstmals der Allgäu Panorama Ultra Trail statt, dazu gab es zum dritten mal einen nicht ganz flachen Halbmarathon und einen Bergmarathon.

Marita, Marlies, Günter und ich haben uns Samstag ins Allgäu begeben, um die Läufe mal unter die Hufe zu nehmen.

Klar, ich wollte ja 100%ig nicht starten, weil ich ja sooooo vernünftig bin und weiss, dass mit einer gereizten Achillessehne nicht zu spassen ist. Mit einem gereizten Holle ist aber noch weniger zu spassen, so stand ich also Sonntag 6 Uhr zusammen mit Günter und weiteren ca. 300 LäuferInnen am Start zum Ultra Trail über 69 km und 3000 Höhenmeter. Samstag gabs noch einen Tapeservice, den ich prophylaktisch in Anspruch nahm.

Tapeservice

Tapeservice

Neuerdings hab ich da ja gar keine Skrupel mehr, trendy Kompressionsstrümpfe, trendy Kompressionstight und trendy Tapes, voll die Lachnummer aber was solls…

vor dem Start

gegen 05:30 Uhr

Im dunkeln gings also auf die Strecke…

Start

gleich gehts los

Es dauerte nicht lang bis es hell wurde und wir aus dem Nebel, der im Tal hing herauskamen, wunderschönste Blicke taten sich auf…

Landschaft

über den Wolken...

Landschaft

... muss die Freiheit wohl ...

Landschaft

... grenzenlos sein ...

Recht schnell (nach ca. 2 Stunden) war ich dann auch schon im ziemlich steilen Schlussanstieg zum ersten Gipfel. Toll, “schon” 13 km geschafft…

Steilstück

wir wollen hoch hinaus

Steilstück

...

Landschaft

einfach genial

Landschaft

erster Gipfel

Meine Devise war achillessehnenschmerzfrei innerhalb des Zeitlimits anzukommen. Das Limit lag bei 12 Stunden, in Oberstdorf gab es bei km 49 einen cut-off nach 7einhalb Stunden, das schien mir nicht besonders leicht zu schaffen.

Taktik war klar, bergauf gehen, auf ebenen und leicht abschüssigen Stücken möglichst viel joggen und immer schön in mich reinhorchen. das ging erst mal recht gut und ich hatte viel viel Spass an der unglaublich schönen Landschaft. Günter wollte was reissen und verliess mich nach gemeinsamen gemütlichen 4 oder 5 Kilometern.

Nach dem ersten Gipfel ging es erst mal supersteil bergab, danach über viele Kilometer “wellig”, wobei ich selten so hohe Wellen gesehen hab.

Landschaft

weiter gehts

Landschaft

...

Es folgten zähe Kilometer, leicht ansteigend, joggen für mich unmöglich, gehen recht frustrierend, schlecht für die Psyche. Immerhin lag ich recht gut in der Zeit, hatte ca. 20 Minuten Vorsprung, um den cut-off in Oberstdorf zu schaffen.

Aus meinem ersten Tief riss mich eine tolle Bergabpassage durch ein Sumpfgebiet. Über ein paar Kilometer ging es immer wieder über in den Sumpf gelegte Bretter, viele eierten drüber, viele rutschten oder stolperten und tauchten im Sumpf ab…

herrlich!

herrlich!

Auf der gesamten Strecke gab es 4 Vollverpflegungsstellen mit einer sagenhaften Auswahl an Kuchen (z.B. frischer Erdbeerkuchen), Butterbrot, Weizenbier (mit Alkohol), Speck und die übliche Palette aus Gel, Riegel und versch. Getränken. Dazwischen jeweils eine Wasserstelle. Gut dass ich den Trinkrucksack dabei hatte, für 8 oder 9 km, die maximal zwischen 2 Versorgungen lagen brauchte ich schon mal locker über eineinhalb Stunden.

Das Wetter war, wie ihr ja schon sehen konntet, traumhaft, ein heisser sonniger Spätsommertag, da wir uns meist zwischen 1000 und 1800 Metern Höhe bewegten und dort oben immer ein leichtes Lüftchen wehte war es selten zu heiss.

Die Strecke ging nun runter nach Riezlern im kleinen Walsertal um danach links der Kanzelwand wieder viele hundert Höhenmeter recht steil anzusteigen.

Günter

sieht noch saugut aus

Dem Günter gings hier scheinbar gut, ich hatte hier nun erstmals steil bergauf eine mittlere Krise. Es lief nicht rund obwohl gehen doch normal immer so schön ist.

Noch lag ich gut in der Zeit, ab km 42 begann der steile Abstieg nach Oberstdorf. Steil ist stark untertrieben, vor mir waren auf einem schmalen Wurzelweg viele Wanderer, die immer fragten, ob ich vorbei möchte. Irgendwann hatten 2 Wanderer genau das richtige Tempo für mich und ich blieb hinter ihnen. Meine Knie und Oberschenkel schmerzten gewaltig, ich wollte nur noch heim. Absoluter Tiefpunkt. Es wurde flacher, wir kamen an einem wunderschönen See vorbei. Wie gern wär ich reingesprungen und stundenlang im Wasser geblieben. Irgendwann wurde es flacher, doch ich wollte nimmer, ich hab resigniert und bin vor mich hin gehumpelt. Eine entgegenkommende Frau baute mich ganz toll auf, indem sie sagte, die anderen rennen alle hier runter. Ganz toll, herzlichen Dank!

Irgendwann kam von hinten ein ganz arg lieber Laufkollege und ging ein Stück neben mir her, sagte, wir haben noch ein bisschen Zeit, versuch ganz langsam zu joggen, in Oberstdorf nach dem cut-off trinken wir dann gemütlich Kaffee und futtern lecker Kuchen. Kaffee, ja, da hatte ich Lust drauf… Er verabschiedete sich und sagte, “wir sehen uns in Oberstdorf”.

Ich fass mich kurz, ich versuchte zu joggen und quälte mich Stück für Stück weiter, nicht mehr ganz so fest entschlossen, auszusteigen. Es wurde eng, 10 oder 15 Läufer kamen noch von hinten und jeder schaute alle paar Sekunden auf die Uhr, es zog sich noch 2 bis 3 Kilometer durch Oberstdorf bis es dann schliesslich noch mal kurz steil hoch zur Skisprungarena ging.

Nach 7:27:02 lief ich über die magische Matte, cut-off geschafft Ich war erst mal glücklich aber es kam nicht wirklich Freude auf bei dem Gedanken, noch weitere 20 km hinter mich zu bringen. Klar war, ich zieh es jetzt durch, 4einhalb Stunden Zeit für 20 km, das wär ja schon zuuuu doof, das nicht anzugehen, ich hätte es mir nicht verziehen. 20 Minuten vertrödelte ich erst mal an der Verpflegung, ich hatte Lust auf eine Zigarette, hatte welche dabei weil ich ja im Vorfeld eh mit allem denkbaren Elend gerechnet hatte, habs mir aber verkniffen und hab mich dann irgendwann an den nächsten Anstieg gemacht. 1000 Höhenmeter, erst sehr steil, dann flach und dann die letzten 500 Höhenmeter sowas von steil, irre! Ich weiss nicht wann meine Laune gekippt ist, jedenfalls gings mir auf dem Supersteilstück unglaublich gut. Alle vor mir hatten Probleme und ich stieg und stieg und stieg vorbei… Ich hatte nullkommanull Schmerzen, so sehr ich auch welche suchte, es waren keine da. Ich weiss nicht wie das alles funktioniert, so ein Körper, die Psyche, das Hirn, die Nerven, das ist schon phänomenal.

Wir sind im Anstieg zum letzten Gipfel.

Günter

kurz vor dem Sonnenkopf

Günter ist bald oben, ich komm knappe 2 Stunden später hier durch. Meine Laune ist bestens, ich habe ein schönes Zeitpolster auf die 12 Stunden, da kann nachher bergab fast nichts mehr schiefgehen. Schiss hab ich trotzdem, dass es nochmal richtig wehtun kann.

Sonnenkopf

der Sonnenkopf

Am Sonnenkopf machten 2 Zuschauer Stimmung für hundert, einfach klasse, wie die einen für die letzten 10 Kilometer motiviert haben, dazu weiterhin wunderschöne Ausblicke ins Illertal und in das Tal, das nach Hindelang führt. Ohne diese Landschaft könnte ich es mir nicht vorstellen, so eine Tortur durchzustehen.

Günter

und immer noch gehts dem Günter blendend

Abstieg

toller Abstieg

Der Abstieg war genial, nicht zu steil, ich konnte entgegen meiner Erwartungen runterjoggen, noch immer keine Schmerzen mehr, es war geil, einen nach dem anderen einsammeln, immer mal wieder kurze Unterhaltung mit Mitläufern, gegenseitiges Aufmuntern, dass wir es schaffen, erste Freudentränen schon eineinhalb Stunden vor dem Ziel.

km 60

noch knapp 10 km

Inzwischen gabs nur noch Freude, Freude und nochmal Freude. Die letzten 2 oder 3 Kilometer zogen sich noch flach Richtung Sonthofen, wollten nicht enden, waren nun aber auch nimmer besonders mühsam, der Kopf war voller Eindrücke, nicht nur das herrliche Wetter sorgte für ein sonnigstes Gemüt. Kurz vor dem Ziel warteten Marita und Marlies.

m u m

juhuuuu

Riesenfreude beim Anblick der beiden hübschen

Günters Zieleinlauf nach 9:42:xx, Rang 4 in der M55, Hut ab

Günter

Günter hats geschafft

Nach 11:33:xx war ich durch…

Holle

yeah

Total erschöpft, glücklich und erleichtert, mehr braucht kein Mensch

habe fertig

habe fertig

Die fehlenden 2 Punkte für den UTMB 2010 sowie einen wunderschönen handgemachten Finisher”pokal” ergattert…

Pokal

ein toller "Pokal"

Marlies hat den anspruchsvollen Halbmarathon in 1:42:xx gefinished und damit Rang 3 in der W40 erreicht und somit auch so ein tolles Steinmännle abgegriffen. Mann, war sie glücklich, wunderbar

Marlies

herzlichen Glückwunsch

Auch Marita war mit 2:01:xx super zufrieden, läuft sie doch momentan verletzungsbedingt sehr wenig, jetzt gehts für sie erst mal unters Messer.

Abends sind wir noch lecker essen gegangen, Gesprächsstoff gabs ja ohne Ende, so sind wir irgendwann so gut wie tot in unsere Betten gefallen

Fazit… noch einmal hab ich tierisch Glück gehabt, die Sehne hat das Ding mitgemacht. Ich hätte nicht starten dürfen, klar. Es ging gut und ich bin unendlich froh, diese Geschichte miterlebt zu haben. Ein Bericht bringt nur einen Bruchteil dessen rüber, was so ein Erlebnis ausmacht. 2 Tage später sind fast nur noch die schönen Erinnerungen präsent.

Manchmal denk ich wenn ich meine Berichte lese, klingt nach einem Spaziergang, ich sag Euch, es war die Hölle und die Hölle kann wunderbar sein

Habe fertig.

Holle

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5 Antworten auf Allgäu Panorama Marathon – So. 23. August 2009

  1. Pingback: Allgäu Panorama Marathon – So. 22. August 2010 | FLBW – laufend Spaß

  2. Gutenberg1964 sagt:

    Hallo Günter,
    hallo Holger,

    euer Bericht, die Bilder und euer Filmchen haben mich animiert in diesem Jahr ebenfalls beim APUT zu starten. Ich freue mich schon!

    Gruß
    Gutenberg1964

    • Holle sagt:

      Eine gute Wahl… unser rasender Reporter Günter wird auch wieder auf dem Ultra Trail unterwegs sein… ich wünsch Dir jetzt schon mal ganz viel Glück und Spass auf dieser wunderbaren Strecke!

      • Ingrid sagt:

        Buhuuuuuu und ich bin nicht da!
        *hoil*
        Ich könnt mich ja echt…..
        *zähneknirsch*
        Nächstes Jahr, aber ich schwöre ja sowas von!
        Ingrid

  3. Günter sagt:

    Bin drin…. :lol:

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